Die Geschichte der kleinen Flippy

 

 

Ein Welpe zieht ein...
Seit 3 ½ Jahren ist ein Eurasierrüde, der auf den Namen Nando hört, ein Teil unser Familie. Familie bedeutet in diesem Fall: Vater, Mutter, Tochter, Sohn und eben Nando. Vom ersten Tag an eroberte er das Herz eines jeden Freundes, Bekannten oder Verwandten der ihn begegnete. Über die Erziehung eines Eurasiers lässt sich sicherlich ein Artikel schreiben, der mehr als dieses Heft füllen würde. Jedoch hat sich Nando schnell und gut in die neue Familie eingewöhnt und entwickelte sich derart gut, dass wir uns entschlossen ihn für die Zucht kören zu lassen.


Schon beim ersten Deckakt beschlossen wir uns die Würfe, für die unser Nando mitverantwortlich ist, auch selbst in Augenschein zu nehmen. Wir scheuen dabei keinen Weg, selbst wenn es durch die halbe Republik bis nach Mannheim geht. Nach und nach keimte der Wunsch in uns, dass wir für Nando noch eine Gesellschafterin anschaffen möchten. Im letzten halben Jahr waren wir uns schon sicher, dass wir eine kleine Hündin aus der Zucht mit Nando haben möchten.


Im Frühsommer trafen wir uns mit einem befreundeten Züchterpaar, da ihre Hündin zum zweiten Mal von Nando gedeckt werden sollte. Wie bei allen Deckakten blieben wir auch dieses Mal wieder in Kontakt, wenn es um die Trächtigkeit und die Geburt der Welpen ging. Da erfahrungsgemäß die Züchter in den ersten Wochen nach dem Wurf eine wunderschöne, wenn auch stressige Zeit verleben, verabredeten wir uns mit den Züchtern für die 6. – 8. Woche, damit wir uns den Wurf in seiner Vollständigkeit ansehen konnten. Zufällig fiel in diese Zeit das diesjährige Herbsttreffen der EZG und wir nutzen die Gelegenheit um den Termin zu verabreden.


Während dieses Gespräches erzählte mir die Züchterin die traurige Geschichte von Flippy, die sich bereits ein paar Tage nach der Geburt, eine Infektion am rechten Auge zugezogen hatte und schon im Welpenalter eine stationäre Aufnahme beim Tierarzt über sich ergehen lassen musste. Über das Ausmaß der Infektion konnte zu diesem Moment nur spekuliert werden, da noch weitere Untersuchungen anstanden, die erst gemacht werden konnten, wenn die Kleine etwas älter sei. Mit großer Wahrscheinlichkeit würde sie auf dem Auge blind bleiben oder sogar das Auge komplett verlieren. Die Züchterin war sich nicht sicher, ob die Kleine mit dieser Behinderung ein liebevolles Zuhause findet oder bei den Züchtern bleiben müsse. Ich erzählte meiner Frau die Geschichte und wir entschlossen uns, die Kleine etwas genauer anzusehen.

 

Wer weiß, vielleicht könnte die Kleine ja zu unserem Nando passen.
Nach dem Treffen besuchten wir die Zuchtstätte und ließen erst einmal die Elterntiere sich etwas beschnuppern. Als Vater und Mutter sich wieder einigermaßen beruhig hatten, wurden auch die 4 Welpen ins Freie gelassen. Als Flippy mich entdeckte, kam sie im Gegensatz zu Ihren Geschwistern sofort auf mich zu gelaufen und begrüßte mich stürmisch. Dann geschah etwas sehr merkwürdiges: Sie sah ihren Vater an, sprang auf und stürmte furchtlos auf den stattlichen 28 kg schweren Rüden zu, um auch ihn stürmisch zu begrüßen.

 

Wir hatten alle das Bild im Kopf, als würde sie rufen: „Papa!!! Endlich bist Du da, ich hab Dich so vermisst!!“ Nando, ganz Rüde, sprang erst einmal beiseite und versuchte wieder Abstand zu diesem Wollknäuel zu gewinnen, das so auf ihn zu geflogen kam. Doch Flippy ließ den Rüden nicht mehr in Ruhe und versuchte den ganzen Tag über, immer wieder in seine Nähe zu kommen.
Schnell fanden meine Frau und ich einen ungestörten Moment, um das Offensichtliche zu bestätigen: Flippy sollte trotz Ihrer Behinderung bei uns und Nando einziehen! Die Freude der Züchter war groß, als wir Ihnen das Angebot machten, dass wir Flippy gern bei uns haben möchten und eine Einigung wurde schnell gefunden.


Da noch in der Folgewoche ein Termin mit einem Augenspezialisten stattfand, vereinbarten wir, dass wir von den Züchtern über diesen Termin informiert werden sollten. Wir hatten trotz aller Anzeichen doch noch die Hoffnung, dass das lädierte Auge noch gerettet werden könnte, sobald der Infektionsherd beseitigt wurde. Leider bekamen wir die Nachricht, dass das Auge wohl entfernt werden muss, dies jedoch erst ab der 12 Woche gemacht werden könne. Auch diese Nachricht konnte uns nicht von unserem Entschluss abbringen, dass Flippy so schnell wie möglich bei uns einziehen soll.

 

Da ich gern eine zweite Meinung haben wollte, suchte ich einen Spezialisten in unsere Nähe. Also gesagt, getan! Ich setzte mich am nächsten Tag mit der Lüneburger Tierklinik in Verbindung, da dort ein Augenspezialist mit ausgezeichnetem Ruf tätig ist und vereinbarte eine Termin für Flippy.


So holten wir Flippy mit der ganzen Familie zwei Wochen später ab und versprachen den Züchtern, dass wir uns melden würden, so bald das Untersuchungsergebnis vorläge. Flippy kam bei uns zu Hause an und untersuchte erst einmal die gesamte Wohnung. Nando schaute mit sehr skeptischem Blick auf das Wollknäul, das ihm bei jeder Gelegenheit mit lautem Gebell nervte und ihn auf Trapp hielt. Die ersten Tage waren für Nando eine echte Herausforderung, jedoch ließ er die Kleine schon am ersten Abend neben sich in ihrem eigenen Bett schlafen.


Drei Tage später hatte Flippy (die Ihren Namen von ihren Züchtern bekam und behalten hat) ihren Termin beim Spezialisten. Leider war eine genaue Untersuchung ohne Narkose nicht möglich, da die Nickhaut am Augapfel festgewachsen war. Jedoch bestand zu diesem Zeitpunkt eine Chance von 50 %, dass das Auge, wenn auch blind, gerettet werden könne. Da der Gesundheitszustand von Flippy es zu ließ, bekamen wir einen OP-Termin noch in der gleichen Woche. Mit einem mulmigen Gefühl fuhren wir 3 Tage später zu diesem OP-Termin. Flippy wurde noch einmal gründlich untersucht und dann in Narkose gelegt. Noch in den ersten Minuten teilte uns der Tierarzt die traurige Nachricht mit, dass der Augapfel verkümmert sei und es die beste Lösung ist, wenn das Auge entfernt wird.

 

Drei Stunden später konnten wir die kleine Maus wieder abholen, die sichtlich erschöpft, aber trotz allem gut drauf war. Der Tierarzt klärte uns auf, dass die Möglichkeit bestände, dass Flippy ein Augenimplantat bekommen könne, sobald sie ausgewachsen sei. Als wir wieder zu Hause waren, entschlossen wir uns schnell, dass ein „Glasauge“ für uns nicht in Frage komme. Zum einen kann Flippy mit diesem Glasauge nicht sehen und zum anderen dient es nur zur Korrektion eines Schönheitsfehlers, der weder Flippy noch uns stört. Ein weiterer wichtiger Grund ist für uns, dass wir keinen unserer Hunde einer Narkose aussetzen, wenn dadurch weder der Gesundheitszustand, noch die Lebensqualität des Hundes verbessert wird.


Flippy hat auch die Augen-OP gut überstanden. Die ersten Tage mit dem Schutzkragen waren doch sehr nervig für sie, aber mittlerweile wurden die Fäden gezogen und er muss nicht mehr getragen werden. Sie entwickelt sich normal und hat die Gewichtsverluste komplett ausgeglichen. Von einem Handicap ist weit und breit nichts zu merken. Ganz im Gegenteil: Sie hat ihren Vater als Spielkameraden und als Opfer für ihre Streiche entdeckt. Durch ihre offene Art hat sie sogar die Herzen der Handball-Damen-Mannschaft erobert, die ich trainiere. Sie holt mich mit Frauchen gern nach dem Training ab und lässt sich ebenso gern von den Damen verwöhnen, die das Wollknäul so süß finden.


Mittlerweile ist sie ein vollwertiges Mitglied unseres Rudels (Familie) und keiner möchte sie missen. Selbst Nando steht schon fiepend vor der Tür, wenn Frauchen oder ich mit der Kleinen draußen sind, damit sie ihr Geschäft erledigen kann.

Eigentlich können wir nach dem Erlebten jeden Hundeinteressenten ermutigen, sich auf ein Abenteuer mit einem Hund - wie unsere Flippy - einzulassen. Nicht immer ist der perfekte Hund ein äußerlich unversehrter Hund. Wir haben das große Glück eine Zweithündin gefunden zu haben, die verschmust, verspielt und gelehrig ist und sich so schön in ihr neues Zuhause eingewöhnt hat.
Wir wünschen allen Welpenkäufern ein solch glückliches Händchen beim Hundekauf, wie wir es bei unseren Hunden hatten.


Katja und Stefan Piper

 

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